Der Acrylguss auf der Überholspur – ein Gastartikel von Lennart Balg:

Acrylic Pouring ist auf dem Vormarsch. Zahlreiche Youtube-Videos auf Englisch und Deutsch, die sich in- und auswendig mit dem Thema befassen und dafür Tausende, gar Hunderttausende Klicks ernten, bestätigen den Verdacht. Beim Acrylic Pouring handelt es sich um eine Maltechnik der abstrakten Kunst, bei der der Malgrund mit dünnflüssiger Acrylfarbe begossen wird, um fließende Strukturen und Muster entstehen zu lassen.

Acrylic Pouring ist hierbei der englische Begriff für das Gießen von Acrylfarbe. Dahinter verbirgtsich jedoch viel mehr, als man zunächst vermuten mag.

Die Maltechnik im Detail

Anders als in der naturalistischen Malerei wird der Großteil der Zeit nicht in die exakte
Ausarbeitung des Bildes gesteckt, sondern in die Vorbereitung der Farben und die passende Gießtechnik.

Vorbereitung der Farben

Handelsübliche Acrylfarben sind nicht fließfähig genug, dass sie von sich aus über die Leinwand fließen würden, geschweige denn sich ausgießen lassen würden. Um die Viskosität herabzusetzen muss die Acrylfarbe mit einer passenden Menge an Binde- und Lösemittel verdünnt werden.

Als Bindemittel stehen mehrere Optionen zur Auswahl, die meist auf Polyvinylalkohol basieren, umdie einzelnen Farbpigmente aneinander zu binden. Unter Zugabe von Wasser wird die Farbkonsistenz weiter herabgesetzt. Würde man nur Wasser als Verdünnungsmittel nutzen, würdedas den Farbfilm zu weit auseinanderziehen, sodass die Farbe nicht deckend genug wäre.

Farbaufbereitung

Gastbeitrag von Lennart Balg – Acrylguss auf dem Vormasch

Farbe, Bindemittel und weitere Zusätze müssen vorbereitet werden

Wenn die Viskosität gieß- und fließfähig ist, kann das Ergebnis durch Zugabe bestimmter
Substanzen beeinflusst werden. In der Szene ist die Zugabe von Silikonöl besonders beliebt, da das durchsichtige Silikon die obenauf liegende Farbe verdrängt und die unteren Farbschichten durchschimmern lässt.

Die unterschiedlichen Gießtechniken

Grundsätzlich gilt natürlich, dass alle Künstlerinnen und Künstler komplett frei in der
anzuwendenden Technik sind und sich das experimentieren durchaus lohnt. Trotzdem haben sich einige Gießtechniken und Vorgehensweisen bewährt, die von einer Reihe von Anwenderinnen und Anwendern adaptiert worden sind und miteinander kombiniert werden können.

Am eindrucksvollsten ist wahrscheinlich der sogenannte „Flip Cup“. Bei dieser Technik werden die Farbmischungen jeweils einzeln genau vorbereitet und anschließend in einem gemeinsamen Farbbecher gesammelt. Neben der Viskosität kommt es hierbei vor allem auf die Zusatzstoffe, die einzelnen Farbmengen, die Farbdichten und die Reihenfolge, der in den Becher gekippten Farben an.

Der gefüllte Farbbecher wird mit der Öffnung auf einen bespannten Keilrahmen gestellt und angehoben. Die austretende Farbe wird anschließend durch Neigen des Malgrunds in ihrem Fluss geleitet.

Zur Veranschaulichung ein Video, das die Technik demonstriert:

https://www.youtube.com/watch?v=DYQJqdNdBTo

Fazit zu Fluid Art

Dadurch, dass es so viele Videos auf englisch gibt, die die fünf bis zehn grundlegenden Techniken im Detail erklären, können alle Künstlerinnen und Künstler ihre eigene „flüssige Kunst“ kreieren.
Einzigartige Ergebnisse werden allerdings diejenigen erzielen, die sich sowohl mit den technischen Aspekten dieser Maltechnik tiefgehend auskennen als auch ein Auge für Farben und Farbkompositionen besitzen.

Für die technischen Aspekten kann mein Artikel auf Hobbeasy.de als deutschsprachiges
Nachschlagewerk genutzt werden. Für das Verständnis von Farbwirkungen bedarf es viel eigener Übung und einer reflektierten Herangehensweise, die die Bildkompositionen hinterfragt und Anpassungen für kommende Versuche ableitet.

Fluid Art

Gastbeitrag von Lennart Balg – Acrylguss auf dem Vormasch

Über den Gastautor

Lennart schreibt auf Hobbeasy.de über alle Themen, die ihn beschäftigen. Künstlerisch ist er in der großformatigen Acrylmalerei zu Hause, innerhalb derer er gerne mit abstrakten Maltechniken experimentiert. Zuletzt hat er die Rakelmalerei und das Acrylic Pouring für sich entdeckt.

Malen nach Zahlen